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Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich (Studienausgabe) 2026
w26 Juni S. 26-30
Gustavo und Emilia Joseph.

LEBENSBERICHT

70 Jahre Dienst für Jehova in Kuba

ERZÄHLT VON GUSTAVO JOSEPH

ICH kam 1947 auf der wunderschönen Karibikinsel Kuba zur Welt. Sie liegt dort, wo das warme Wasser der nördlichen Karibik mit dem Atlantik zusammenfließt. Nach mir bekamen meine Eltern noch zwei Töchter. Wir fünf lebten in dem Ort Esmeralda.

Das Dorfleben war friedlich und beschaulich. In unserer Nähe wohnten verschiedene Verwandte, darunter Tanten, Onkel und die Großeltern. Wir hatten genug zu essen und waren glücklich.

Als ich ungefähr fünf Jahre alt war, wurden meine Eltern von Walton Jones besucht und begannen ein Bibelstudium. Dieser eifrige Verkündiger ging rund zehn Stunden zu Fuß, um unser Dorf zu erreichen. Viele aus unserer Familie versammelten sich dann immer im Haus meiner Großeltern und redeten stundenlang über die Bibel. Meine Eltern sowie Onkel Pedro und Tante Ela waren so begeistert, dass sie sich schon bald taufen ließen. Ela ist mit ihren fast 100 Jahren immer noch Pionier in Kuba.

Damals war die Tätigkeit von Jehovas Zeugen in Kuba nicht eingeschränkt. Wir waren dafür bekannt, dass wir mit Taschen voller biblischer Literatur von Haus zu Haus gingen. Und wir legten weite Strecken zu Fuß zurück! Ich habe schöne Erinnerungen daran, wie wir diese „günstigen … Zeiten“ genutzt haben. Doch es sollten „schwierige Zeiten“ auf uns zukommen (2. Tim. 4:2).

SCHWIERIGE ZEITEN BAHNEN SICH AN

Ich war immer noch etwa fünf, als mein Vater und mein Onkel in einer anderen Gegend der Insel einen Kongress besuchten. Auf dieser Reise zogen sich leider beide durch verseuchtes Wasser Typhus zu. Mein Onkel verlor nach der Rückkehr die Haare, überlebte aber. Mein Vater dagegen starb mit nur 32 Jahren.

Nach dem Tod meines Vaters zog meine Mutter mit uns zu ihrem Bruder in das Dorf Lombillo. Wir mussten von vielen geliebten Verwandten, einschließlich unserer Großeltern, Abschied nehmen. Doch meine Mutter und wir Kinder blieben Jehova treu.

Am 26. August 1957 ließ ich mich als Zehnjähriger in einem Wasserbecken bei Lombillo taufen. Damals konnte keiner ahnen, dass sich knapp zwei Jahre später für Jehovas Zeugen in Kuba alles ändern sollte. 1959 gab es eine Revolution, und schließlich kam eine kommunistische Regierung an die Macht.

Die neue Regierung legte großen Wert auf den Militärdienst. Da Jehovas Zeugen überall auf der Welt in politischen und militärischen Angelegenheiten neutral sind, hatte das natürlich Auswirkungen auf uns. Unsere Religions­ausübung wurde immer mehr eingeschränkt, bis es zum Verbot kam. Hunderte von Brüdern wurden inhaftiert. Einige mussten immer wieder Schläge über sich ergehen lassen und bekamen kaum etwas zu essen. Manchmal setzte man ihnen Mahlzeiten vor, die Blut enthielten – aber natürlich hielten sie sich an das biblische Blutverbot.

Trotz der Heraus­forderungen konnten wir uns weiter versammeln (Heb. 10:25). Es fanden sogar Kongresse auf Bauernhöfen und an anderen ungewöhnlichen Orten statt. Einmal hat uns ein Bruder erlaubt, seinen großen Schafstall zu nutzen. Wir konnten den Stall aber weder rechtzeitig sauber machen noch die Schafe hinausschaffen. Trotzdem fand der Kongress statt – mit zwei Arten von Schafen, Zweibeinern und Vierbeinern (Mi. 2:12).

Wir waren dankbar, dass die Brüder so hart arbeiteten, um uns mit geistiger Nahrung zu versorgen. Zum Beispiel nahmen sie Kongressprogramme auf Kassetten auf, und die Aufnahmen wurden dann im ganzen Land von Ort zu Ort weitergegeben. Manchmal waren nur zwei Brüder dafür verantwortlich, alle Vorträge auszuarbeiten, zu halten und aufzunehmen. Da das Ganze an geheimen Orten gemacht wurde, hörte man manchmal lustige Hintergrund­geräusche, beispielsweise einen krähenden Hahn. Es kam auch vor, dass es an einem Kongressort keinen Strom gab. Dann musste ein Bruder kräftig in die Pedale eines Heimtrainers mit Dynamo treten, um den Kassettenrekorder zum Laufen zu bringen. Wir hatten vielleicht nicht die idealen Umstände und auch nicht so viel Literatur wie unsere Glaubensbrüder in anderen Ländern, aber es hat uns nie an geistiger Nahrung gemangelt. Und wir haben es so genossen, Jehova gemeinsam anzubeten (Neh. 8:10).

PIONIERDIENST UND NACHWUCHS

Mit 18 Jahren begann ich in der Stadt Florida mit dem Pionierdienst. Ungefähr ein Jahr später wurde ich als Sonderpionier in die Provinzhauptstadt Camagüey geschickt. Dort begegnete ich Emilia, einer wunderschönen Schwester aus Santiago de Cuba. Wir lernten uns näher kennen und heirateten innerhalb eines Jahres.

Collage: 1. Gustavo mit anderen Ältesten auf einem Klassenfoto. 2. Gustavo und Emilia stehen lächelnd hinter ihrer Hochzeitstorte.

(Links) Königreichs­dienst­schule in Camagüey (1966)

(Rechts) Unsere Heirat (1967)

Ich arbeitete Vollzeit in einer der vielen staatlichen Zuckerfabriken. Obwohl Emilia und ich nicht länger im Pionierdienst stehen konnten, wollten wir so viel Zeit wie nur möglich im Dienst für Jehova verbringen. Da passte es gut, dass ich Frühschicht arbeiten durfte – von 3 bis 11 Uhr morgens. Das war eigentlich gar nicht meine Uhrzeit, aber so konnte ich viel für Jehova tun und mit Emilia alle Zusammenkünfte besuchen.

1969 kam unser erster Sohn Gustavo auf die Welt. Zu der Zeit wurde ich gefragt, ob ich wieder den Vollzeitdienst aufnehmen und Kreisaufseher werden könnte. Damals war es in Kuba nicht unüblich, dass ein Kreisaufseher Kinder hatte. Es begann eine der glücklichsten Zeiten in unserem Leben, aber wir waren auch vollauf beschäftigt. Emilia und ich sahen es als ein Geschenk von Jehova, auf diese Weise für unsere Brüder und Schwestern da sein zu können. Auch nach der Geburt unserer Söhne Obed und Abner und unserer Tochter Mahely blieben wir weiter im Reisedienst.

Wenn ich an unsere Zeit im Kreisdienst zurückdenke, macht es mich glücklich, dass ich erleben durfte, wie Jehova sein Volk in Kuba gesegnet hat. Mir ist auch deutlich bewusst, dass Jehova uns geholfen hat, die Liebe zu ihm ins Herz unserer Kinder zu pflanzen.

REISEDIENST UNTER VERBOT

In den 60er- und 70er-Jahren bekamen wir die Auswirkungen des Verbots deutlich zu spüren. Königreichssäle wurden geschlossen. Unsere Missionare mussten das Land verlassen. Viele junge Brüder kamen ins Gefängnis. Und die Arbeit im Zweigbüro in Havanna wurde eingestellt.

Gustavo und Emilia mit spanischen Ausgaben von „Erwachet!“.

Im Kreisdienst (1990er-Jahre)

Wegen des Verbots konnten wir die Versammlungen nur am Samstag und Sonntag besuchen. Jede Versammlung kam an zwei aufeinander­folgenden Wochenenden dran. Wir reisten mit wenig Gepäck und nutzten oft das Fahrrad, weil das am unauffälligsten war. Natürlich mussten unsere Treffen geheim bleiben. Wir taten so, als würden wir Verwandte besuchen – was uns ziemlich leichtfiel. Tatsächlich fühlten wir uns so sehr als Familie, dass wir aufpassen mussten, unsere eigentliche Aufgabe nicht aus dem Blick zu verlieren (Mar. 10:29, 30). Trotzdem war Vorsicht geboten. Wir wurden oft von der Polizei beschattet und verhört. Und unsere Gastgeber riskierten, verhaftet zu werden, falls unsere Treffen aufflogen (Röm. 16:4).

Viele Brüder und Schwestern waren außergewöhnlich gastfreundlich, obwohl sie wenig besaßen. In manchen Gegenden wimmelte es nur so von Stechmücken, und unsere Gastgeber überließen uns dann freundlicher­weise ihr einziges Moskitonetz, damit wir ruhig schlafen konnten. Andere nahmen uns bei sich auf, obwohl sie kaum etwas zu essen hatten. Manchmal brachten wir selbst Essen mit, um es mit unseren Freunden zu teilen.

Natürlich konnten wir nicht alle Kinder mitnehmen. Normalerweise reisten wir mit nur einem Kind, und meine Mutter und meine Schwester kümmerten sich zu Hause um die anderen. Ein Baby dabeizuhaben, war ein gewisser Schutz. Hin und wieder wurden wir von der Polizei durchsucht. Da war es praktisch, dass wir in der Tasche für schmutzige Windeln Literatur verstecken konnten. Dort hat die Polizei nie nachgesehen.

Ich bewundere Emilia sehr dafür, wie sie sich um die Kinder gekümmert und mich in den Jahren unseres Vollzeitdienstes unterstützt hat. Für mich war es gar nicht so leicht, die Arbeit in der Zuckerfabrik und meine Aufgaben als Kreisaufseher unter einen Hut zu bringen. Manchmal musste ich ein- bis zweimal in der Woche eine Doppelschicht einlegen, um am Wochenende freizuhaben. Als ich jedoch Vorarbeiter wurde, hatte meine Arbeitswoche sieben Tage, und daran konnte ich nichts ändern. Aber solange ich meine Kollegen übers Wochenende beschäftigt hielt, fiel meine Abwesenheit nicht auf. Soweit ich weiß, haben meine Vorgesetzten nie bemerkt, dass ich an den Wochenenden fehlte.

FREUDIG TROTZ VERÄNDERUNGEN

Gustavo hält auf einem Bezirkskongress einen Vortrag.

Erster Kongress nach Aufhebung des Verbots (1994)

1994 wurden alle reisenden Aufseher, insgesamt 80, zu einer besonderen Zusammenkunft in Havanna eingeladen. Was für eine Freude, uns nach all den Jahren endlich zu sehen! Bei diesem Treffen ging es zunächst um organisatorische Änderungen. Doch dann gab es eine Bekanntmachung, die uns alle schockierte. Die verantwortlichen Brüder sagten uns, dass sie vorhatten, unsere Namen den Behörden mitzuteilen. Wir waren sprachlos!

Wie uns erklärt wurde, hatte es ein Treffen mit Regierungs­vertretern gegeben, bei dem es um die Verbesserung des Verhältnisses zwischen unserer Religions­gemeinschaft und dem Staat ging. Die Behörden verlangten eine Liste mit den Namen der Kreisaufseher. Wir alle waren einverstanden, dass man unsere Namen weitergab. Seitdem konnte durch Gespräche mit Regierungs­vertretern viel Gutes erreicht werden.

Unsere Anerkennung als Religions­gemeinschaft stand zwar noch nicht zur Debatte, aber endlich konnten wir uns ungehindert versammeln und predigen. Später fanden wir heraus, dass die Behörden bereits die Namen einiger Kreisaufseher hatten und lediglich eine Bestätigung haben wollten.

Im September 1994 bekamen wir die Erlaubnis, wieder ein Zweigbüro zu eröffnen. Tatsächlich konnten wir dasselbe Gebäude benutzen, das 20 Jahre zuvor geschlossen worden war.

1996 erhielten Emilia und ich einen Anruf mit der Bitte, ins Bethel zu kommen. Nach dem ersten Schock gab ich zu bedenken, dass zwei unserer Kinder noch zu Hause wohnten. Die Brüder dachten darüber nach und teilten uns später mit, dass wir trotzdem kommen sollten. Also machten wir als Familie Pläne, nach Havanna zu ziehen.

Collage: 1. Emilia zusammen mit anderen Schwestern in der Bethelschneiderei. 2. Gustavo hält in einem Kongresssaal einen Vortrag.

(Links) Emilia in der Bethelschneiderei (Anfang der 2000er-Jahre)

(Rechts) Bestimmungs­übergabe eines Kongresssaals (2012)

Ehrlich gesagt hat mir der Betheldienst am Anfang keinen Spaß gemacht. Ich war so lange im Reisedienst gewesen, dass mein ganzes Herz daran hing. Es fiel mir schwer, am Schreibtisch zu arbeiten. Aber andere Betheliten und besonders Emilia halfen mir umzudenken. Mit der Zeit gewann ich meine Freude zurück, und jetzt bin ich gern hier.

Collage: 1. Gustavo steht auf einer Bühne und wendet sich an die Absolventen einer Bibelschule für Ehepaare, die hinter ihm stehen. 2. Gustavo mit vier anderen Mitgliedern des Zweigkomitees.

(Links) Abschlussfeier der Bibelschule für Ehepaare (2013)

(Rechts) Zweigkomitee in Kuba (2013)

Gustavo und Emilia mit ihrem Schwiegersohn und ihrer Tochter.

Mit unserer Tochter und ihrem Mann auf einem Kreiskongress

Inzwischen sind wir nicht mehr die Jüngsten. Aber wir sind so glücklich, wenn wir an all die Brüder und Schwestern denken, die wir kennenlernen und mit denen wir zusammen­arbeiten durften. Besonders freuen wir uns, dass unsere Kinder und Enkel Jehova dienen. Uns geht es wie dem Apostel Johannes, der schrieb: „Nichts bereitet mir größere Freude, als zu hören, dass meine Kinder auf dem Weg der Wahrheit bleiben“ (3. Joh. 4).

Jetzt sind wir schon fast 30 Jahre im Bethel. Wir setzen uns immer noch so gut wie möglich ein, obwohl wir mit Alters­erscheinungen und Krebs zu kämpfen haben. In all den Jahren unseres Dienstes gab es für uns einige Heraus­forderungen. Doch wir sind froh, dass wir unserem „glücklichen Gott“ seit 70 Jahren hier in Kuba dienen dürfen (1. Tim. 1:11; Ps. 97:1).

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