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  • Und was sagt die Bibel?
  • Ist Jesus Gott?
Erwachet! 1998
g98 8. 12. S. 25-27

Hat Gott eine Mutter?

UNTERWEGS im Krankenwagen, der ihn schnell in das Gemelli-Krankenhaus in Rom brachte, „murmelte der heftig blutende Johannes Paul leise auf polnisch: ‚Madonna, Madonna‘“. Das stand im Mai 1981 in einem Zeitungsbericht über den Mordanschlag eines türkischen Kriminellen auf Papst Johannes Paul II.

Dadurch, daß der Papst in einer ernsten Krise Maria anrief, unterstrich er, welche Verehrung der von Gott ausgewählten, sehr bevorrechtigten Frau entgegengebracht wird, die Jesus gebar und häufig als Mutter Gottes bezeichnet wird. Die Marienverehrung ist sehr weit verbreitet und hat die verschiedensten Formen angenommen, was die Frage entstehen läßt: Wie ist es dazu gekommen?

Vor annähernd 2 000 Jahren hatte Maria, eine Jungfrau, die in Nazareth in Galiläa lebte, ein erhebendes Erlebnis: Ein Bote vom Himmel sagte ihr, sie werde einen Sohn gebären, den sie Jesus nennen solle. Maria fragte, wie das sein könne, da sie doch eine Jungfrau sei. „Heiliger Geist wird über dich kommen“, antwortete der Engel, „und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das, was geboren wird, heilig genannt werden, Sohn Gottes“ (Lukas 1:26-36, Jerusalemer Bibel).

Dreißig Jahre später führte dieser „Sohn Gottes“ einen dynamischen Predigtfeldzug durch und gründete die Christenversammlung. Während der nächsten Jahrhunderte machte das Christentum nicht nur große Drangsale durch, sondern auch gewisse Veränderungen. Im Laufe der Zeit wurde es zur Staatsreligion des Römischen Reiches erhoben. Es traten Meinungsverschiedenheiten auf, unter anderem solche, die den Christus betrafen: War er Gott, der Sohn, oder war er der Sohn Gottes?

Der römische Kaiser Konstantin, der sich zwar als Christ bekannte, aber ungetauft war, berief im Jahr 325 ein besonderes Bischofskonzil der Kirche nach Nizäa ein, um diese Frage zu erörtern. Das Ergebnis war, daß die Lehre von der Dreieinigkeit eine offizielle kirchliche Lehre wurde, durch die Jesus als wesensgleich, gleich ewig und „wesenseins“ mit Gott charakterisiert wurde. Die Jungfrau Maria wurde im ursprünglichen Nizäischen Glaubensbekenntnis, das man auf dem Konzil formulierte, allerdings nicht erwähnt.

Da Jesus offiziell als „Gott“ verkündet wurde, war es vom Standpunkt der Kirche der nächste logische Schritt, Maria zur „Mutter Gottes“ zu machen. Das geschah 431 auf dem Konzil von Ephesus, wo sie als „Theotokos“ bezeichnet wurde, was „Gottesgebärerin“ oder „Mutter Gottes“ bedeutet. Es dauerte jedoch Jahrhunderte, bis der Marienkult tatsächlich weit verbreitet war.a Dr. F. van der Meer zeigt in seinem Buch Augustinus der Seelsorger, daß in den Tagen des Augustinus (5. Jahrhundert) im Gebiet von Nordafrika „Maria ... keinen Platz in der Volksfrömmigkeit [hatte]“. Um das Jahr 1000 war der Marienkult dagegen in ganz Europa verbreitet, und viele Kirchen wurden nach Maria benannt, wie zum Beispiel die berühmte Notre-Dame (Unsere Liebe Frau) in Paris.

Im Jahr 1854 wurde die Lehre von der „Unbefleckten Empfängnis“ zum Dogma erhoben, wonach Maria vom Augenblick der Empfängnis an frei von Sünde war. Papst Pius XII. verkündete 1950 die Lehre, Maria sei körperlich in den Himmel aufgenommen worden (die leibliche Aufnahme). All das war sehr erfreulich für die marianische Bewegung beziehungsweise für diejenigen, die der Marienverehrung besonders ergeben waren.

Der katholische Autor Zsolt Aradi schreibt in seinem Buch Shrines to Our Lady Around the World: „Maria wacht über die Nationen ... in prächtigen Kathedralen und auf Bildstöcken, auf den Berggipfeln und an den Meeresküsten ... Die Marienverehrung ... ist zu einem Bestandteil der Landschaft geworden. Tausende von Kirchen, hauptsächlich katholische und orthodoxe, aber auch protestantische, sind nach Maria benannt.“

In Saragossa (Spanien) gibt es eine berühmte Mariendarstellung, bekannt als La Virgen del Pilar (Jungfrau der Säule). Laut einer Legende aus jener Region brachten Engel Maria von Jerusalem nach Saragossa, wo sie auf den Apostel Jakobus traf, und sie hinterließ „eine kleine Jaspissäule; darauf stand eine schöne kleine Statue von ihr selbst“. Dazu heißt es in dem Buch Shrines to Our Lady Around the World: „Die Empfindungen der Bewohner von Saragossa gegenüber ihrer geliebten Virgen del Pilar ... sind verflochten mit ihrem Patriotismus, mit ihrem Nationalgefühl, ... sie bejubeln sie als Führerin ihrer Nation.“

Seit dem Jahr 1930 betrachten die südamerikanischen Länder Argentinien, Uruguay und Paraguay Unsere Liebe Frau von Luján — eines der dortigen Bildnisse — als ihre Schutzherrin. Aradi sagt dazu: „Unlängst erwählte sich die argentinische Armee die Jungfrau von Luján als Schutzheilige. Und gemäß einem alten Brauch wurde ein Regiment der Armee in ihre Dienste gestellt. Dieses Regiment ist ihr ‚Eigentum‘, und die Angehörigen des Regiments nennen sie ‚La generala del Luján‘ [Die Generalin von Luján].“

Nationale Führerin, Militärbefehlshaberin, Miterlöserin der Menschheit, Mutter aller Menschen, Mittlerin aller Gnaden, Königin aller Schöpfung, Mutter Gottes, Himmelskönigin — mit all diesen Titeln und Ehren wird Maria geschmückt. Auf Grund dessen fragen sich viele nachdenkliche Katholiken ernsthaft, ob das nicht zu weit geht. Ein außerordentlicher Professor für Theologie am Seminar von Princeton schrieb: „Wie oft wir Maria Gewalt angetan haben, läßt sich gar nicht zählen. ... Wir haben sie zur Himmelskönigin erhoben.“

Und was sagt die Bibel?

Aufrichtige Erforscher der Bibel hegen hohe Achtung und herzliche Liebe gegenüber Maria als einer treuen Dienerin Gottes, die von ihm ausgewählt wurde, eine wichtige Rolle als Mutter des Messias zu spielen. Sie schätzen wirklich ihr Beispiel als eine demütige, ergebene Nachfolgerin Jesu Christi. Aber sie betrachten sie nicht als Mutter Gottes. Warum nicht? Aus dem einfachen Grund, weil in Gottes Wort nie von Maria als „Mutter Gottes“ die Rede ist.

Betrachten wir das Beispiel, das Jesus selbst gab, als er seine Mutter auf dem Hochzeitsfest in Kana ansprach. Der Bericht lautet: „Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau?“ (Johannes 2:3, 4, Einheitsübersetzung). Als er bei einer Gelegenheit in der Öffentlichkeit redete, sagte eine Frau aus der Volksmenge zu ihm: „Selig der Leib, der dich getragen, und die Brüste, an denen du gesogen hast!“ Das wäre offensichtlich eine vorzügliche Gelegenheit gewesen, seiner Mutter besondere Ehre zu erweisen. Doch statt dessen sagte Jesus: „Vielmehr selig, die das Wort Gottes hören und befolgen!“ (Lukas 11:27, 28, JB). Kurz bevor Jesus starb, sprach er mit seiner Mutter und seinem geliebten Jünger Johannes und sagte: „Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter!“ (Johannes 19:26, 27, EÜ).

Aufrichtigen Christen zeigen diese biblischen Bezugnahmen auf Maria klar und deutlich, daß Jesus es bewußt vermied, seiner Mutter besondere Ehre zu erweisen oder sich durch familiäre Bindungen beeinflussen zu lassen. Die Apostel folgten seinem Beispiel. Das bringt uns zu einer entscheidenden Frage.

Ist Jesus Gott?

Lassen wir auch in diesem Fall die Angelegenheit durch Gottes Wort klären. Der Engel, der Maria die Geburt Jesu ankündigte, sagte zu ihr: „Das Kind [wird] heilig und Sohn Gottes genannt werden“ (Lukas 1:35, EÜ). Jesus behauptete niemals, Gott zu sein. Die Juden beschuldigten ihn allerdings, sich selbst zu Gott zu machen, aber er wies sie zurecht und gab in seiner Entgegnung zu verstehen: „Ich bin Gottes Sohn“ (Johannes 10:33-36, EÜ).

Unmittelbar bevor Jesus starb, rief er aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27:46, EÜ). Nach seiner Auferstehung sagte er: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Johannes 20:17, EÜ). Bei einer anderen Gelegenheit erklärte er: „Der Vater ist größer als ich“ (Johannes 14:28, EÜ). Gott, Jehova (oder Jahwe), muß selbstverständlich zu niemandem beten. Doch Jesus betete oft zu seinem Vater im Himmel, manchmal „unter starkem Geschrei und Tränen ...; obwohl er als Sohn Gottes aus dem, was er erlitten, Gehorsam lernte“ (Hebräer 5:7, 8, Allioli). Der allmächtige Gott, der Vater, stirbt niemals. Aber unsere Hoffnung auf Rettung beruht auf der Tatsache, daß Jesus starb.

Aus diesen und vielen weiteren zwingenden Gründen sind wahre Christen davon überzeugt, daß Jesus nicht Gott ist, sondern vielmehr sein Sohn, und daß Maria daher nicht die „Mutter Gottes“ ist. Außerdem sagte Jesus seinerzeit: „Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4:24, EÜ). Die Marienverehrung lenkt dagegen die Ergebenheit und die Anbetung von Millionen aufrichtigen Menschen nicht auf den Schöpfer, sondern auf ein Geschöpf. Das ist tragisch, denn in der Bibel werden diejenigen verurteilt, die „der Lüge anstelle der Wahrheit Gottes folgten und dem Geschöpf Verehrung und Anbetung erwiesen anstelle des Schöpfers“ (Römer 1:25, Karrer).

Lech Wałesa, der populäre polnische Politiker, soll gesagt haben, als er unter schwerer Belastung stand: „Nein, nein. Ich habe keine Angst. Mutter Maria steht mir immer bei.“ Doch konnte er bei ihr wirklich Schutz finden? Sollten Erforscher der Bibel unter Druck geraten, werden sie den inspirierten Rat befolgen: „Seid um nichts ängstlich besorgt, sondern laßt in allem durch Gebet und Flehen zusammen mit Danksagung eure Bitten bei Gott bekanntwerden; und der Frieden Gottes, der alles Denken übertrifft, wird euer Herz und eure Denkkraft durch Christus Jesus behüten“ (Philipper 4:6, 7).

[Fußnote]

a „In der populären Verwendung ist ‚Marienkult‘ gleichbedeutend mit ‚Marienverehrung‘“ (New Catholic Encyclopedia, Band 9, Seite 364, Absatz 4).

[Bild auf Seite 26]

Virgen del Pilar

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