Wie können wir unsere Kinder schützen?
NACHDEM Wernera jahrelang in seinem Wohnbezirk zur Schule gegangen war, besuchte er gemeinsam mit etwa 3 000 Jugendlichen eine weiterführende Schule in São Paulo (Brasilien). Zum ersten Mal sah er, wie Mitschüler Drogen nahmen und Drogen verkauften. Da er klein war, drangsalierten ihn ältere Schüler bald mit erniedrigenden und riskanten Aufnahmeprüfungen.
Werners Schwester Eva hatte ebenfalls Probleme. Sie wollte ihr Bestes geben und verbiß sich dabei derart ins Lernen, daß sie sich ausgebrannt fühlte und konfus im Kopf war. Wie andere Jugendliche auch, waren Werner und Eva in körperlicher und emotioneller Hinsicht schutzbedürftig. Welche Art Hilfe benötigen unsere Kinder? Wie können wir sie auf das Leben als Erwachsene vorbereiten? Ja, was für eine Zukunft wünschen wir unseren Kindern?
Nicht nur für ihren Lebensunterhalt sorgen
Denken wir einen Moment darüber nach, welche Herausforderung es heute für Eltern ist, ihren Kindern Schutz zu bieten. Auf Grund der sich verschlechternden Qualität des Familienlebens und der wachsenden Armut leben in vielen Ländern immer mehr Kinder auf der Straße. Die Kinderarbeit ist auf das Versäumnis zurückzuführen, Kinder vor Ausbeutung zu schützen. Viele junge Menschen ruinieren sich außerdem durch den Drogenmißbrauch. Als zum Beispiel ein brasilianischer Jugendlicher drogenabhängig wurde, war es mit dem häuslichen Frieden vorbei. Seine Eltern standen nicht nur unter emotionellem Druck, sondern mußten auch ihre finanziellen Mittel strecken, um für seinen Entzug aufzukommen. Außerdem standen mitleidlose Drogenhändler vor der Tür und wollten ihr Geld eintreiben.
Trotz der Belastungen des täglichen Lebens kämpfen viele Eltern weiterhin darum, ihre Kinder mit Nahrung, Kleidung und Obdach zu versorgen und sie außerdem vor gewalttätigen Übergriffen, vor Drogenmißbrauch und vor anderen Problemen zu bewahren. Das ist ein anerkennenswertes Bemühen. Genügt es aber? Wie steht es damit, emotionellen und geistigen Schaden abzuwenden? Vielen Eltern ist klar, daß sie, wenn ihre Erziehung zum Erfolg führen soll, auch Probleme anpacken müssen, die mit der Wahl der Freunde und der Freizeitgestaltung ihrer Kinder zu tun haben. Doch wie können Eltern es schaffen, weder überbehütend noch zu tolerant zu sein? Der Leser ist eingeladen, über die Antworten nachzudenken, die im folgenden Artikel gegeben werden.
[Fußnote]
a Die Namen in diesem Artikel wurden geändert.