Hoffnung für Opfer des Hasses!
DIE Welt wird eines Tages frei sein von Haß. Bevor wir jedoch erkennen können, wie das möglich ist, müssen wir zunächst wissen, wodurch Haß verursacht wird, und dann ergründen, was getan werden muß, um ihn auszumerzen.
Das Wort „Haß“ wird oft ganz nach Belieben verwandt. Ein kleines Kind mag sein Gesicht verziehen und ausrufen: „Ich hasse Lebertran!“, doch niemand würde ihm das übelnehmen. Von dieser Art Haß ist hier offensichtlich nicht die Rede.
Bei dem Haß, der in der heutigen Zeit so viel Kummer und Streit verursacht, handelt es sich um eine erbitterte, oft heimtückische Feindschaft. Haß kann bewirken, daß die Feindseligkeit gegenüber bestimmten Menschen aufrechterhalten wird. Diese Art von Haß ist wie ein verzehrendes Feuer. Wenn er außer Kontrolle gerät, kann er tödlich wirken, wie wir alle nur zu gut wissen.
Was sind die Ursachen?
Zum einen kann die Gestaltung des Geschichtsunterrichts dazu führen, daß junge Menschen bereits ein entstelltes Bild von ganzen Völkern und Nationen erhalten. Zum anderen muß man natürlich zugeben, daß auch der Einfluß des Elternhauses eine Rolle spielt. Kinder werden voreingenommene Bemerkungen über eine andere Rasse oder ein anderes Volk kaum ignorieren. Man bedenke nur, was manche Iren von den Engländern halten und umgekehrt.
Auch Propagandisten spielen dabei eine gewisse Rolle. Die Denkweise der Menschen — ob jung oder alt — kann gleicherweise durch das, was sie hören, beeinflußt werden. Leiht man zum Beispiel politischer Propaganda sein Ohr, kann man veranlaßt werden, Menschen zu hassen, nur weil sie durch die raffinierte Propaganda gewisser Leute ständig falsch dargestellt werden. In Kriegszeiten wird das oft genug praktiziert. J. A. C. Brown schrieb diesbezüglich in seinem Buch Techniques of Persuasion: „Sehr oft versucht man — wie in der Kriegspropaganda —, starke Haßgefühle ... gegen eine andere Gruppe [hervorzurufen].“ Wie wirkt sich eine solche Propaganda aus? J. A. C. Brown sagte: „Sie führt nicht nur zu übertriebenem Haß gegenüber dem Feind, sondern vermindert auch unser eigenes Schuldgefühl, wenn wir uns ebenfalls brutal verhalten.“
Es könnten noch viele andere Ursachen für Haß angeführt werden. Aber wie die meisten einsichtigen Menschen sind wir mehr daran interessiert, zu erfahren, was getan werden kann, damit diese Ursache von so viel Leid verschwindet. Wie ist das möglich?
Was kann man dagegen tun?
Natürlich kann man als einzelner die Welt nicht ändern. Mancher mag glauben, daß der positive Einfluß der Religion den verschiedenen Auswüchsen des Hasses entgegenwirken könnte. Denken wir einmal kurz darüber nach. Hat nicht gerade religiöser Fanatismus oft Haß erzeugt? Die Weltreligionen haben offensichtlich nicht vermocht, diesen schädlichen Einfluß auf die menschliche Gesellschaft einzudämmen. Denken wir doch nur an die kriegführenden Parteien im Libanon und in Nordirland, die verschiedenen Glaubensrichtungen angehören. Interessanterweise bemerkte der Schriftsteller Jonathan Swift bereits im 18. Jahrhundert: „Wir haben gerade genug Religion in uns, einander zu hassen, aber nicht genug, einander zu lieben.“
Das heißt aber nicht, daß die Religion uns lehren sollte, überhaupt nicht zu hassen. Die Bibel sagt: „Für alles gibt es eine bestimmte Zeit ...; eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen“ (Prediger 3:1, 8). Dabei handelt es sich allerdings um einen gottgefälligen Haß. Diese Gefühlsregung dient, wenn sie richtig kontrolliert wird, zum Schutz. Gott haßt ganz offensichtlich schlechte Dinge, und seine Diener tun dies richtigerweise ebenfalls. Diese Ansicht vertrat auch der Psalmist, als er sagte: „O ihr, die ihr Jehova liebt, hasset das Böse“ (Psalm 97:10).
Böswilliger Haß ist jedoch etwas ganz anderes. Wie kann man ihn ausmerzen bzw. ihm aus dem Wege gehen? Man sollte einmal über folgende Punkte nachdenken:
Die Ursachen in Betracht ziehen. Grundlegend muß gesagt werden, daß blinder Haß letztlich auf unsere Unvollkommenheit zurückzuführen ist. Der christliche Apostel Paulus schrieb: „Nun sind die Werke des Fleisches offenbar, und sie sind: Hurerei, Unreinheit, zügelloser Wandel, Götzendienst, Ausübung von Spiritismus, Feindschaften [Haß, Authorized Version], Streit, Eifersucht, Wutausbrüche, Wortzänkereien, Spaltungen, Sekten, Neidereien, Trinkgelage, Schwelgereien und dergleichen Dinge. Vor diesen Dingen warne ich euch im voraus, so, wie ich euch im voraus gewarnt habe, daß die, die solche Dinge treiben, Gottes Königreich nicht ererben werden“ (Galater 5:19-21). Ja, Haß oder Feindschaften sind ebenso „Werke des Fleisches“ wie Streit und Wortzänkereien, und derjenige, der sie verübt, wird keinen Anteil an Gottes Königreich haben.
Wer daher hofft, an den Segnungen des himmlischen Königreiches teilzuhaben, muß den unangebrachten Haß aus seinem Herzen verbannen. Aber wie ist das möglich?
Unseren Sinn behüten. Wenn wir uns vor dieser zerstörerischen Gesinnung hüten oder sie aus unserem Leben verbannen wollen, müssen wir darauf achtgeben, womit wir unseren Sinn nähren. Das ist natürlich besonders schwer, wenn begründete Ursachen zur Klage bestehen, uns schweres Unrecht zugefügt worden ist oder wenn unsere Rechte mit Füßen getreten worden sind. Bedenken wir jedoch, daß die Dinge nur noch schlimmer werden, wenn wir beginnen, darüber nachzugrübeln, und zulassen, daß der Haß uns gleichsam wie ein Krebsgeschwür innerlich zerfrißt. Darüber zu wachen, womit wir unseren Sinn nähren, ist natürlich leichter gesagt als getan. Wir können aber positive Schritte unternehmen. Zum Beispiel brauchen wir den Gesprächen derjenigen, die voreingenommen sind und den Haß schüren, gar nicht zuzuhören. Was können wir sonst noch tun?
Positiv denken. Dazu gehört, daß wir Verbitterung durch eine gute, positive Einstellung ersetzen. Der Apostel Paulus beschrieb es folgendermaßen: „Schließlich, Brüder, was irgend wahr, was irgend von ernsthaftem Interesse, was irgend gerecht, was irgend keusch, was irgend liebenswert ist, worüber irgend man wohlredet, wenn es irgendeine Tugend und irgend etwas Lobenswertes gibt, diese Dinge erwägt weiterhin“ (Philipper 4:8). Welch guter Rat! Das positive Denken allein genügt jedoch nicht. Wir müssen unser Vertrauen in etwas setzen, was sicher ist.
Vertrauen in Gottes Güte. Ja, wir müssen darauf vertrauen, daß Gott in der Lage und willens ist, alle Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Dann werden uns unsere Gefühle nicht zu feindseligen Handlungen treiben. Statt dessen werden wir durch klares, vernünftiges Denken geleitet. Wahre Christen haben festgestellt, daß das Gebet eine große Hilfe ist. So sagte der Apostel Paulus: „Seid um nichts ängstlich besorgt, sondern laßt in allem durch Gebet und Flehen zusammen mit Danksagung eure Bitten bei Gott bekanntwerden; und der Friede Gottes, der alles Denken übertrifft, wird euer Herz und eure Denkkraft durch Christus Jesus behüten“ (Philipper 4:6, 7).
Haß kann besiegt werden
Natürlich entwickelt sich eine solche Denkweise und ein solches Gottvertrauen nicht über Nacht. Aber man kann es schaffen. Bereits Hunderttausende haben den weisen Rat Jesu Christi befolgt: „Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ,Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.‘ Doch ich sage euch: Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen“ (Matthäus 5:43, 44).
Im ersten Jahrhundert wurden Menschen aus der ganzen damals bekannten Welt Nachfolger Jesu Christi. Sie waren für ihre überströmende Liebe bekannt. Als Stephanus, ein Jünger Jesu, von haßerfüllten Männern gesteinigt wurde, waren seine letzten Worte: „Jehova, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“ Stephanus war bereit, ihnen zu vergeben. Er wünschte selbst denen, die ihn haßten, nur das Beste (Apostelgeschichte 7:54-60).
Jehovas Diener in der Neuzeit haben den Rat, liebevoll zu sein, beherzigt. Sie lieben nicht nur ihresgleichen, ihre christlichen Brüder und Schwestern, sondern selbst diejenigen, die sie hassen. Sie sind eifrig bemüht, böswilligen Haß aus ihrem Leben völlig auszumerzen. Da sie die wirksamen Kräfte kennen, die Haß hervorrufen können, handeln sie positiv und ersetzen Haß durch Liebe. Ja, „Haß ist das, was Streitigkeiten erregt, aber Liebe deckt sogar alle Übertretungen zu“ (Sprüche 10:12).
Der Apostel Johannes erklärte: „Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Totschläger, und ihr wißt, daß kein Totschläger ewiges Leben bleibend in sich hat“ (1. Johannes 3:15). Jehovas Zeugen glauben das. Obwohl sie aus allen ethnischen und kulturellen Gruppen stammen und früher den verschiedensten religiösen oder politischen Richtungen angehörten, haben sie sich zu einer vereinten Gesellschaft von Menschen, zu einer echten weltweiten Bruderschaft, zusammengeschlossen, die frei von Haß ist.
Ein Ende des Hasses in Sicht!
„Nun“, mag jemand sagen, „das ist für die Betreffenden zwar sehr schön, aber dadurch wird der Haß nicht von der ganzen Erde verschwinden.“ Das stimmt, denn selbst wenn wir in unserem Herzen keinen Haß hegen, können wir immer noch ein Opfer des Hasses werden. Daher können wir nur von Gott die vollständige Lösung dieses Problems erwarten.
Fassen wir daher Mut, denn bald werden alle Spuren fehlgeleiteten, nicht gottgefälligen Hasses von der Erde verschwinden. Das wird binnen kurzem unter der Herrschaft der himmlischen Regierung geschehen, um die uns Jesus wie folgt beten lehrte: „Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt. Dein Königreich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf der Erde“ (Matthäus 6:9, 10). Wenn sich dieses Gebet vollständig erfüllt hat, wird es die Zustände, die Haß begünstigen, nicht mehr geben. Es wird keine Situationen mehr geben, die ausgenutzt werden könnten, um Haß hervorzurufen. Anstelle von Unwissenheit, Lügen und Vorurteilen werden Aufklärung, Wahrheit und Gerechtigkeit treten. Dann wird Gott wirklich ‘jede Träne von unseren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein’ (Offenbarung 21:1-4).
Die beste Nachricht kommt aber noch! Der nicht gottgefällige Haß wird bald von der Erde verschwinden, noch zu Lebzeiten der Generation, die den Ausbruch des Hasses in den verheerenden Weltkriegen gesehen hat und die Zeuge all der anderen Beweise geworden ist, die erkennen lassen, daß wir in den „letzten Tagen“ leben (2. Timotheus 3:1-5; Matthäus 24:3-14, 34). In Gottes verheißener neuer Ordnung wird ein echter brüderlicher Geist herrschen, da die Menschen Vollkommenheit erlangen werden. Jeder von uns kann dabeisein, wenn die Erde ein Paradies wird und alle ihre Bewohner Gottes hervorragende moralische Eigenschaften widerspiegeln (Lukas 23:43; 2. Petrus 3:13). Ja, auch du kannst die Zeit erleben, in der erdenweit die Liebe vorherrschen und der Haß der Vergangenheit angehören wird.
Man muß aber gar nicht so lange warten, bis man sich einer echten brüderlichen Gemeinschaft erfreuen kann. Wie der folgende Bericht zeigt, hat die christliche Liebe bereits heute ihren Platz im Herzen vieler gefunden, die früher von Haß erfüllt waren.
[Herausgestellter Text auf Seite 5]
Man kann veranlaßt werden, Menschen zu hassen, nur weil sie durch die raffinierte Propaganda gewisser Leute ständig falsch dargestellt werden
[Herausgestellter Text auf Seite 5]
„Wir haben gerade genug Religion in uns, einander zu hassen, aber nicht genug, einander zu lieben“ (Jonathan Swift)
[Herausgestellter Text auf Seite 6]
„Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Totschläger“
[Bild auf Seite 7]
Bald werden auf der Erde Liebe und Einheit vorherrschen