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  • Das Fernsehen — Nachrichten und tückische Propaganda

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  • Das Fernsehen — Nachrichten und tückische Propaganda
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Erwachet! 1983
g83 22. 1. S. 4

Das Fernsehen — Nachrichten und tückische Propaganda

DIE Militärparade war in vollem Gange. An der Tribüne des Präsidenten rollten die motorisierten Truppen vorbei, während über ihm Kampfflugzeuge donnerten. Plötzlich fuhr ein Militärlastwagen vor. Mehrere bewaffnete Männer sprangen herab, warfen Granaten auf die Tribüne und eröffneten mit ihren Maschinengewehren das Feuer. Innerhalb weniger Sekunden verlor Ägypten seinen Präsidenten, Anwar el-Sadat. Und innerhalb weniger Stunden war die ganze Welt in der Lage, die Szene so zu verfolgen, als wäre man persönlich anwesend. Wieder einmal hatten die Techniker des Fernsehens bemerkenswerte Arbeit geleistet.

Sofortige Nachrichtenübermittlung

Das Attentat auf Präsident Reagan und Papst Johannes Paul II. und sogar der Putschversuch im spanischen Parlament — kurz nachdem sich diese unvorhergesehenen dramatischen Ereignisse abgespielt hatten, konnte man sie am Bildschirm verfolgen. Zudem werden häufig durch Fernsehsendungen Ereignisse auf die andere Seite des Globus live übertragen.

Sicher ist es viel eindrucksvoller, zu beobachten, wie das Space shuttle mit ungeheurer Genauigkeit auf einem Trockensee in einer kalifornischen Wüste landet, als lediglich in den Rundfunknachrichten zu hören, daß es sicher zurückgekehrt ist. Auch können die Leute, wenn sie die Schäden einer Überschwemmung in Indien oder eines Erdbebens in Italien sehen und Zeugen des menschlichen Leids sind, Mitgefühl zum Ausdruck bringen und dazu veranlaßt werden, die Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. All das kann zugunsten der Fernsehnachrichten gesagt werden.

Eine heimtückische Gefahr

Es gibt aber auch eine Kehrseite. In Paris wurde in der International Herald Tribune ein Bericht über das japanische Fernsehen veröffentlicht, in dem der Sozialpsychologe Professor Ishikawa sagte, daß die größeren kommerziellen Fernsehstationen die Nachrichten „beschönigen“ und „nicht die Wahrheit sagen“. In dem Bericht wird auch Tadashi Okuyama, Herausgeber einer japanischen Fernsehzeitschrift, zitiert, der das Fernsehen als „das einflußreichste Medium im Lande“ bezeichnete.

Was für Japan gilt, trifft mehr oder weniger auch auf viele andere Länder zu. Das Fernsehen ist in nahezu jedem Land der Erde ein einflußreiches Medium geworden, aber der Einfluß ist nicht immer zum Guten. Selbst wenn Fernsehstationen völlig unabhängig von jeglicher Regierungskontrolle sind, können Interessengruppen oder Firmen, die in Werbesendungen stark vertreten sind, die Nachrichten im Bereich der Religion, der Industrie und der Politik beeinflussen. Gefärbte Nachrichten sind eine heimtückische Form der Zensur.

Diese Gefahr wird noch verschlimmert in Ländern, wo Rundfunk und Fernsehen Staatsmonopol sind. Die Versuchung, dieses „einflußreichste Medium“ zu Propagandazwecken für die Regierung zu gebrauchen, ist groß. Das kann ganz offen, zum Beispiel in totalitären Ländern, oder auf heimtückischere Weise getan werden. Die Tatsachen können durch selbstsüchtige Interessen gefärbt oder verdreht werden, indem man nur eine Seite einer Sache zeigt.

Selbst wenn du die Fernsehnachrichten verfolgst, solltest du nicht den SEGEN und den FLUCH des Fernsehens vergessen. Abgesehen davon, daß das Fernsehen dein Denken formt, kann es auch deine Gesundheit beeinflussen. Inwiefern?

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