Wir beobachten die Welt
Rattenfänger
◆ Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, haben sich Bauern im Mekong-Delta als erfolgreiche Rattenfänger betätigt und allein in diesem Jahr 2 099 272 Ratten erlegt. Das meldete die regierungsamtliche Nachrichtenagentur Vietnam Press in Saigon. Acht Bauern wurden sogar mit je 700 000 Piaster (2 600 Mark) wegen ihrer „hervorragenden Erfolge“ ausgezeichnet. Die Rattenplage ist im Reisanbaugebiet des Mekong-Deltas schon seit langem ein großes Problem. Darum wurden die Bauern dazu aufgerufen, die Schwänze erlegter Nager bei den Behörden abzuliefern. In einigen Gebieten der Flußmündung stehen über Holzkohle gegrillte Ratten als Delikatesse auf dem Speiseplan.
Schafe mit grünem Fell
◆ Seit einiger Zeit sind gemäß einer Meldung der Schwäbischen Zeitung die Weiden im Gebiet der Karru in Südafrika mit Schafen bevölkert, die ein grünes Fell haben. Ihre bestürzten Besitzer haben bereits Wollproben an ein Laboratorium gesandt, um Aufschluß über die ungewollte Färbung zu erhalten. Nach ersten Untersuchungen kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, daß die Färbung aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine Bakterienart hervorgerufen wird, die bei großer Feuchtigkeit auftritt und sich massenweise verbreitet. In der gewöhnlich sehr trockenen Karru ist in diesem Jahr sehr viel Regen gefallen.
„Echte Heideluft“
◆ Jetzt können Gäste der Heidegemeinde Neuenkirchen im Landkreis Soltau „echte Heideluft“ aus dem staatlich anerkannten Luftkurort in großen Blechdosen zum Preis von 2,50 Mark mit nach Hause nehmen, so berichtete die Schwäbische Zeitung. Die Neuenkirchener, die den ursprünglichen Aprilscherz ernst nahmen, wollten auch die verpackte Luft kaufen, so daß sich die Gemeindeväter veranlaßt sahen, die Produktion tüchtig anzukurbeln. Inzwischen findet die Heideluft reißenden Absatz, ebenso wie einst die Berliner Luft.
Overkill
◆ Overkill bedeutet wörtlich „mehrfach töten“. Im Militärjargon bezeichnet man damit die Fähigkeit mit den einsatzbereiten Atomwaffen die gegnerische Bevölkerung rechnerisch mehrere Male zu töten. Fachleute sagen, daß den Supermächten heute schon Atomwaffen in einem Umfang zur Verfügung stünden, daß sie damit die gesamte Erdbevölkerung von nahezu vier Milliarden viermal ausrotten könnten. Nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau bestand allein das strategische Atomwaffenpotential der USA Anfang 1974 aus 7 940 Sprengsätzen, nicht mitgezählt sind dabei rund 7 000 taktische Atomwaffen. Der Laie wird kaum in der Lage sein, sich die furchtbare Zerstörungsgewalt vorzustellen. Er muß aber erschaudern, wenn er hört, daß die 7 940 strategischen Sprengsätze umgerechnet 156 160 Atombomben jenes Typs entsprechen, der 1945 die japanische Stadt Hiroschima auslöschte. 240 000 Menschen verloren dabei ihr Leben. Das bedeutet, daß allein auf der Seite Amerikas für jeden Erdbewohner umgerechnet 820 Kilogramm konventioneller Sprengstoff zur Verfügung stehen. Dazu kommt das noch größere Waffenarsenal der UdSSR, die über noch mehr Megatonnen Sprengstoff verfügen soll als die USA.
Verschärftes Alkoholverbot in Libyen
◆ Wie die Nachrichtenagentur des Landes Libyen meldet, ist das vor fünf Jahren eingeführte Alkoholverbot wesentlich verschärft worden. Wer künftig beim Alkoholtrinken angetroffen wird, wird nicht nur, wie bisher schon, eine Geldbuße oder eine Gefängnisstrafe zu erwarten haben, sondern er muß vielmehr auch damit rechnen, die Arbeitsstelle, das Stimmrecht, das Zeugenrecht und den Führerschein zu verlieren — die Fahrerlaubnis selbst dann, wenn er noch nie unter Alkoholeinfluß hinter dem Steuer saß. Außerdem kann sich die Polizei weigern, Alkoholsündern ein Führungszeugnis auszustellen, das zur Erlangung eines Arbeitsplatzes ein unerläßliches Dokument ist. Rehabilitieren können sich so Bestrafte, wenn sie während der folgenden drei Jahre „keinen Schluck“ trinken und gleichzeitig versichern, daß sie es auch künftig so halten wollen.
Zunehmende Fötus-Deformationen in Japan
◆ In Japan hat sich die Zahl der totgeborenen Babys, deren Körper Verkrüppelungen aufweist, in den vergangenen zwanzig Jahren verzwölffacht. Schuld an den zunehmenden Deformationen des Fötus seien, wie aus Tokio berichtet wird, die Röntgenbestrahlung sowie chemische Schadstoffe, die sich in der Nahrung befänden und aus verschmutzter Umwelt stammten. Untersuchungen haben ergeben, daß in Japan verkaufte Lebensmittel über 300 verschiedene chemische Zusätze enthalten. Als besonders gefährlich wurde der Lebensmittelzusatz AF-2 bezeichnet, der die männlichen Chromosomen verändere.