Fragen von Lesern
● Warum wird in 1. Samuel 17:55 berichtet, Saul habe gefragt, wer David sei, wenn David doch bereits Harfenspieler am Hofe Sauls war, wie das aus 1. Samuel 16:23 (Lu) hervorgeht?
Nach der Elberfelder Bibel und nach anderen Übersetzungen, zum Beispiel auch nach der Luther-Bibel, wird im 16. Kapitel des ersten Buches Samuel berichtet, wie David zu Saul kam und dessen Harfen- oder Lautenspieler und Waffenträger wurde. In 1. Samuel 17:15 lesen wir dann, daß David wieder heimging, um das Kleinvieh seines Vaters zu weiden. Kurz vor seinem Kampf mit Goliath kehrte er wieder zu Saul zurück. Nach 1. Samuel 17:55-58 scheint Saul David damals nicht gekannt zu haben. Die Frage ist nun: Wie ist das möglich?
Dieser Bericht nach der Elberfelder Bibel und nach Luthers Übersetzung stammt aus dem massoretischen oder hebräischen Text, denn diese beiden Übersetzungen beruhen auf diesem Text. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß der massoretische Text ziemlich jung ist, verglichen mit Übersetzungen wie der Septuaginta (der Übersetzung der Hebräischen Schriften ins Griechische), der viel ältere hebräische Texte zugrunde liegen. Die Septuaginta, die in der Vatikanischen Handschrift Nr. 1209 und im Sinaiticus enthalten ist, vermittelt uns ein etwas anderes Bild, denn die Verse, die die Schwierigkeit verursachen, fehlen in ihr. Mit anderen Worten: Wenn wir den Bericht in der Septuaginta lesen, stoßen wir auf keine Schwierigkeiten, weil sie nicht sagt, David sei heimgegangen, um die Herden zu weiden. Daher war David, als der Riese Goliath zum erstenmal seine prahlerische Herausforderung an die Israeliten richtete, zugegen und konnte sich ihm zum Kampf stellen. Saul kannte den jungen David wohl, aber noch nicht als Kämpfer; darum berichtete David ihm von seinen Heldentaten: Wie er als Hirtenjunge in der Kraft Jehovas einmal einen Löwen und einmal einen Bären erschlagen hatte. Folglich brauchte Saul nicht zu fragen, wer der junge Mann sei, als David zum Kampf gegen den Riesen vortrat, und diese Frage erscheint in der Septuaginta-Übersetzung ebenfalls nicht.
Es scheint also, daß dem massoretischen Text etwas hinzugefügt wurde, und offenbar entstehen gerade dadurch die Schwierigkeiten. Eine Fußnote in der Katholischen Familien-Bibel weist auch auf diese Unterschiede in den Handschriften hin. (Siehe auch die Fußnoten in der ersten Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung der Hebräischen Schriften in englisch.)
● Gab sich Jakob nicht zu Unrecht als Esau aus (1. Mose 27:18-30)? Warum wurde dieses Vorgehen gestattet? — R. M., USA.
Nein, Jakob gab sich nicht zu Unrecht als sein Zwillingsbruder aus. Er hatte das Erstgeburtsrecht von Esau bereits gekauft und vertrat seinen Bruder eigentlich zu Recht vor dem fast völlig erblindeten Isaak, dem er von dem Kauf nie etwas gesagt hatte und der immer noch im Glauben war, Esau habe das Erstgeburtsrecht. (1. Mose 25:29-34) Auch konnte Rebekka Jakob zu Recht den Rat geben, zu seinem Vater zu gehen und sich so zu verhalten, wie er es tat, weil Jehova Gott zu ihr vor der Geburt der Zwillingssöhne gesagt hatte: „Zwei Nationen sind in deinem Leibe, und zwei Völkerschaften werden sich scheiden aus deinem Innern; und eine Völkerschaft wird stärker sein als die andere, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.“ (1. Mose 25:23) Rebekka konnte auch gewußt haben, daß Jakob das Erstgeburtsrecht gekauft hatte. Jehova lenkte daher die Angelegenheit, und der göttliche Bericht erwähnt von nun an Jakob vor seinem älteren Zwillingsbruder. Wir lesen darum in 1. Mose 28:5 von der Mutter „Jakobs und Esaus“, was zeigt, daß Jakob der Vorzug gegeben wurde. Jehova tat dies übrigens auch selbst. (Mal. 1:2, 3) In den Christlichen Griechischen Schriften wird Esau den Christen als warnendes Beispiel hingestellt, um ihnen zu zeigen, daß sie heilige oder geistige Dinge nicht geringschätzen sollten wie er. (Hebr. 12:16) An Jakob können sich Christen dagegen ein Beispiel nehmen, denn er bewies die größte Wertschätzung für geistige Dinge und hoffte zuversichtlich auf die Erfüllung der Verheißung Jehovas, die sein Vater von Abraham ererbt hatte. — Hebr. 11:8-10.