Berufe für Geistliche?
DIE enorm steigenden Verwaltungskosten der Kirchen veranlaßten David B. Ragg, einen anglikanischen Bischof in Kanada, zu der Mutmaßung, daß Geistliche gezwungen sein könnten, einem Beruf als Rechtsanwalt, Krankenpfleger oder als Fabrik- oder Bauarbeiter nachzugehen, während sie ihre Zeit am Wochenende der Kirche zur Verfügung stellen. In einer Rede vor Synodalen erklärte der Bischof, der Apostel Paulus habe seinen Lebensunterhalt selbst bestritten, indem er Zelte gemacht habe. Gemäß der Meldung im Toronto Star sagte Ragg weiter: „Alle Priester mögen zu einer Art Dienst als ,Zeltmacher‘ Zuflucht nehmen müssen.“
Der kirchliche Redakteur des Star bat einige Geistliche um ihre Stellungnahme. Ein Baptistenprediger sagte: „Der hl. Paulus machte Zelte, und das Wachstum der Kirche in den ersten 300 Jahren beruhte auf der Tätigkeit von Freizeitmissionaren. Durch eine berufliche Tätigkeit käme die Geistlichkeit aus ihrer Isolation heraus und hätte engeren Kontakt mit ihrer Herde.“ Ein anglikanischer Rektor meinte, „der Pfarrer käme dadurch mit der Wirklichkeit in Berührung“.
Solche Eingeständnisse sind geradezu eine Ironie, wenn man an die Kritik denkt, die viele Geistliche jahrzehntelang an Jehovas Zeugen geübt haben, in deren Reihen es keine besonderen, bezahlten Geistlichen gibt. Die meisten Zeugen gehen einer beruflichen Tätigkeit nach, um für sich und ihre Familie zu sorgen, und setzen das Wochenende oder andere verfügbare Zeit dazu ein, ihren Mitmenschen das Evangelium nahezubringen. Funktioniert so etwas? Der Bericht über die ersten Christen sowie das Wachstum der Zeugen Jehovas in der Neuzeit bestätigen, daß es funktioniert.