Fragen von Lesern
● Wie ist Matthäus 1:17 zu verstehen, wo von drei Generationengruppen (zu je vierzehn Generationen) von Abraham bis Jesus Christus die Rede ist, obwohl in den Versen zuvor nur einundvierzig Generationen aufgeführt werden? — Belgien.
Für diese scheinbare Schwierigkeit gibt es eine einfache Erklärung. Es ist offensichtlich, daß Matthäus David zweimal zählte und nicht die Gesamtzahl, sondern die Übereinstimmung der drei Gruppen von vierzehn Namen oder Generationen als Gedächtnisstütze berücksichtigte. Matthäus selbst drückt sich wie folgt aus: „Alle Generationen von Abraham bis David waren also vierzehn Generationen, und von David bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Generationen, und von der Wegführung nach Babylon bis zum Christus vierzehn Generationen.“
Wenn man Geschlechtsregister wie zum Beispiel das Verzeichnis, das in 1. Chronika, Kapitel 1 bis 3 zu finden ist, berücksichtigt, scheint es mindestens sechsundvierzig Generationen von Abraham bis Jesus Christus gegeben zu haben. Matthäus kürzte das Verzeichnis, indem er drei Könige von Juda, die Nachkommen König Jorams und der blutgierigen Königin Athalja waren, ausließ. Diese war die Tochter der bösen Königin Isebel und nahm sieben Jahre lang widerrechtlich den Thron von Juda ein. Nachdem er Joram aufgeführt hat, läßt er die nächsten drei Generationen, die dieser bösen Verbindung entsprangen, aus, nämlich Ahasja (der nur ein Jahr regierte), Joas (der im Alter von sieben Jahren zu regieren begann) und Amazja (der neunundzwanzig Jahre regierte). Statt dessen nennt er als nächsten Ussija, der eine lange, erfolgreiche Regierungszeit hatte, bis er sich anmaßte, den Platz eines Priesters einzunehmen und im Tempel Räucherwerk darzubringen, und mit Aussatz geschlagen wurde. Matthäus ließ auch den Namen Jojakims, des Sohnes Josias, sowie den Namen Hananjas, der der Sohn Serubbabels war und der Vater Abiuds wurde, aus seinem Geschlechtsregister aus.
Daß Matthäus diese Namen ausläßt, ist jedoch nichts Ungewöhnliches, denn Geschlechtsregister wurden manchmal gekürzt. Zum Beispiel führt Esra in seinem Priestergeschlechtsregister in 1. Chronika 6:3-14 dreiundzwanzig Namen auf, aber in seinem eigenen Geschlechtsregister in Esra 7:1-5 führt er für denselben Zeitraum nur sechzehn Namen auf.
Wenn man biblische Geschlechtsregister betrachtet, muß man verschiedenes im Sinn behalten. Zunächst ist es gut zu beachten, daß die Abweichungen nicht auf Nachlässigkeit zurückzuführen sind. Die Israeliten waren sehr an der Geschichte interessiert und machten sehr sorgfältige Aufzeichnungen. So erfahren wir über die Völkertafel des ersten Buches Mose (1. Mose 10:1-32), sie sei „einzigartig in den Schriften des Altertums. Dieses Interesse an den Nationen spiegelt genau den Nachdruck wider, den die Bibel auf die Geschichte legt. ... So sehr beschäftigen sich keine anderen heiligen Schriften der Welt mit der Geschichte“ (The Interpreter’s Dictionary of the Bible, Bd. 3, S. 515).
Es sei ferner darauf hingewiesen, daß alle Bibelschreiber ehrliche Männer waren, die sich von dem hohen Sittenmaßstab leiten ließen, der in der Bibel dargelegt wird. Und außerdem schrieben sie unter dem Einfluß des heiligen Geistes Jehovas. — 2. Tim. 3:16; 2. Petr. 1:21.
Es ist auch gut, daran zu denken, daß die Menschen in alter Zeit auf andere Weise darangingen, etwas aufzuzeichnen, als man es heute tut. Zum Beispiel hatten gewisse Ausdrücke gegenüber heute eine umfassendere Bedeutung. So sprach Abraham zu Lot: „Wir sind Brüder.“ (1. Mose 13:8) Doch Abraham war in Wirklichkeit der Onkel Lots. Ebenso bezog sich Babylons Königin auf Nebukadnezar als auf den Vater Belsazars, während offenbar Nabonid sein Vater und Nebukadnezar sein Großvater war (Dan. 5:11) Tatsächlich wird mit dem Wort „Vater“ oft ein entfernterer Vorfahr bezeichnet. So wird Abraham in den Christlichen Griechischen Schriften als „der Vater von uns“ bezeichnet, während er in Wirklichkeit ein entfernter Vorvater war. — Apg. 7:2; Röm. 4:12; Jak. 2:21, Kingdom Interlinear Translation.
Wenn wir diese Umstände berücksichtigen, hilft uns das verstehen, warum sich die Bibelschreiber bei der Aufzeichnung gewisser Geschlechtsregister so ausdrücken, wie sie es taten, und so werden anscheinende Schwierigkeiten beseitigt.