Keine vergebliche Mühe
EIN Zeuge Jehovas, der 1962 die Watchtower Bible School of Gilead (Wachtturm-Bibelschule Gilead) absolvierte, diente vor etlichen Jahren in einer kleinen Versammlung in Forfar, Angus, Schottland. Er berichtet aus der Zeit, da die Versammlung nur aus Frauen bestand: „Neun ältere Schwestern waren dort. Ihr Durchschnittsalter mag etwa fünfundsiebzig Jahre betragen haben. Nicht allein das hohe Alter an sich war ein Hemmnis für die Schwestern. Bei zunehmenden Jahren ließen Sehvermögen und Gehör nach. Die mutige Schwester, die als Hilfsversammlungsdiener eingesetzt war, mußte zum Beispiel bei der Ausführung ihrer verschiedenen Programmpunkte in der Versammlung eine große Lupe benutzen. Der Bibelstudiendiener war eine Schwester, die das hohe Alter von fünfundachtzig Jahren erreicht hatte. Meistens mußte sie wegen ihrer Schwerhörigkeit ein Hörrohr verwenden. Als ich sie näher kennenlernte, hatte sie sich einen Hörapparat angeschafft. Die Schwestern versammelten sich in einem kleinen von Gaslicht beleuchteten Saal, der knapp zwanzig Personen faßte.
Obgleich alle neun Schwestern der Versammlung am Ort sehr bekannt waren, brachte ihre Predigttätigkeit keine sichtbaren Ergebnisse. Immer wieder gingen sie durch ihr Gebiet. Bei ihrer etwas altmodischen Erscheinung und ihrer Unfähigkeit, die Wahrheit beredt darzulegen, konnte man meinen, daß ihre Arbeit vergeblich sei. Doch sie gaben nicht auf. Viele Jahre hindurch arbeiteten sie weiter und versammelten sich. Dann geschah etwas!
Ein örtlicher Geschäftsmann überlegte es sich, warum diese älteren Damen ihre Mitmenschen jahraus jahrein besuchten, obgleich sie nichts zustandebrachten. Er beschaffte sich etwas Literatur, um seine Neugier zu befriedigen, und las sie durch. Bald begann er, die Zusammenkünfte der Versammlung zu besuchen, und hörte, wie sich die Schwestern bei ihren verschiedenen Programmpunkten anstrengten. Er sprach seine Bekannten am Ort an. Einige begannen, sich für die Wahrheit zu interessieren. Bald kaufte dieser Geschäftsmann eines der schönsten Grundstücke im Stadtzentrum und baute einen schönen, geräumigen Königreichssaal darauf. Jetzt wächst die Versammlung schnell voran.
Als letztes hörte ich, daß die Versammlung vierzig Verkündiger habe. Vor einigen Monaten erhielt ich einen Zeitungsausschnitt, der einen Bericht über die erste Kreisversammlung enthielt, die jemals dort stattgefunden hatte. Auf der Titelseite der Zeitung erschien ein Bild der fast völlig tauben Schwester, die als Bibelstudiendiener eingesetzt gewesen war. Sie war jetzt in ihrem neunzigsten Lebensjahr. Über dem Bild standen die Worte: ‚Dies ist der glücklichste Tag meines Lebens!‘ — Jehova hatte also die mutige, jahrelange Arbeit dieser treuen Schwestern belohnt. Wahrhaftig sind die Worte des Apostels Paulus nach 1. Korinther 15:58: ‚Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich, allezeit überströmend in dem Werke des Herrn, da ihr wisset, daß eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn.‘“