Entlehnte Gebete
Ein Mann, der früher einmal in Lhasa wohnte, der Stadt in Tibet, zu der Ausländern der Zutritt nicht gestattet ist, berichtete in dem National Geographic Magazine, Ausgabe vom Juli 1955, von seinen Erlebnissen. Er erwähnte auch die Gebetsflaggen und -mühlen, die die Tibeter verwenden. In den Häusern der wohlhabenden Leute findet man besonders große Gebetsmühlen. Der ehemalige Bewohner von Lhasa berichtet von einem tibetischen Haus, in dem sich eine schwere, 2,4 m hohe Gebetstrommel befand, welche Männer Tag und Nacht drehten, die man extra dafür angestellt hatte, damit sie für den reichen Hausbesitzer beteten. Eine kurze Notiz in einer Zeitung von Philadelphia erinnerte denkende Menschen daran, daß sich gewisse Namenchristen nicht sehr von den Tibetern unterscheiden, die andere anstellen, um für sie zu „beten“. In dem Sunday Bulletin vom 26. Juni 1955 stand nämlich zu lesen:
„Eine Kirche in Scarsdale (New York) hat versuchsweise eine Neuerung eingeführt, die der intimsten Glaubenssache eine merkwürdige mechanische Note gibt. Es handelt sich um ein telefonisches Morgen- und Abend-‚Gebet des Tages‘. Jeder, der die Nummer SC 3-4567 wählt, hört ein auf Tonband aufgenommenes Gebet von einer Minute Dauer, ganz ähnlich, wie er den Wetterbericht abhören kann, wenn er eine andere Nummer gewählt hat. Die Reaktion ist erstaunlich … Die Nachricht hat sich nach anderen Städten hin verbreitet, und die New Yorker Telefongesellschaft ist bestürzt über die ungeheure Menge von Anrufen, mit denen ihre Linien belastet werden, und sieht sich gezwungen, neue Anlagen zu installieren … Es erscheint kaum glaubhaft, daß so viele Hunderte von Leuten die Nummer SC 3-4567 wählen, nur um eine auf Band aufgenommene Stimme zu hören.“ Wie im heidnischen Tibet, gibt es also auch viele Leute in der Christenheit, die sich des entlehnten Gebets bedienen, indem sie das menschliche Herz durch eine mechanische Vorrichtung oder ein Buch ersetzen.