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  • Der Wachtturm verkündet Jehovas Königreich 1957
Der Wachtturm verkündet Jehovas Königreich 1957
w57 15. 10. S. 616

Jehovas Zeugen in einem russischen Arbeitslager

„ICH erleide Übles bis zu Gefängnisbanden, wie ein Übeltäter. Dennoch ist das Wort Gottes nicht gebunden.“ Diese Worte, die der Apostel Paulus an seinen Freund Timotheus schrieb, treffen auch auf viele Gott hingegebene Christen von heute zu, zum Beispiel auf jene in russischen Arbeitslagern. — 2. Tim. 2:9, NW.

Dies wird durch einen Bericht bestätigt, den die Watch Tower Society vor kurzem von einem in den Vereinigten Staaten lebenden deutschen Flüchtling erhielt, der seine Erlebnisse in einem russischen Arbeitslager schildert. Wir zitieren aus dem Bericht folgendes:

„Ich hatte immer gedacht, Jehovas Zeugen seien nur in Rußland zu finden. Doch als ich aus dem Gefängnis kam, begegnete ich ihnen zu meiner Überraschung auch in den westlichen Ländern. Diese Leute haben mir in den vergangenen Jahren zu denken gegeben.

Von den nahezu drei Jahren Gefangenschaft in Rußland verbrachte ich im Jahre 1946 acht Monate in dem Arbeitslager von X, das im Nordwesten Rußlands an der Wolga lag. Unter den Gefangenen befanden sich einige, die wegen ihres Frohsinns und ihrer Freundlichkeit schon vom ersten Tag an meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Sie standen im Alter zwischen 17 und 50 Jahren, übten verschiedene Berufe und Handwerke aus und schienen sehr intelligent zu sein. Da sie schon etwa zehn Jahre im Gefängnis weilten, nannte man sie „Langjährige“.

Weil sie zuverlässig waren, hatten sie verantwortliche Stellungen inne, und sowohl die Lagerbeamten als auch die schlimmsten Verbrecher hatten hohe Achtung vor ihnen. Sie schienen stets Gesprächsstoff zu haben und sprachen mit jedermann offen über ihre Hoffnung. Obwohl Versammlungen verboten waren, gelang es ihnen, fast jeden Abend zusammenzukommen, und zwar acht Gefangenen aus unseren und zweien oder mehreren aus anderen Baracken. Bei ihren Diskussionen schlugen sie immer wieder in einer kleinen, zerfetzten und vergilbten Bibel nach. Sie schrieben Teile davon auf alle möglichen Arten von Material ab, auf leere Säcke, Holzstücke und dergleichen. Sie behandelten diese Bibel mit solcher Sorgfalt, daß man hätte denken können, ihr Wunsch, eine Bibel zu besitzen, sei noch größer als ihr Wunsch nach Freiheit.

Was sie abschrieben, schmuggelten sie in alle fünf Abteilungen des Lagers ein. Dies taten sie mit Hilfe von Kurieren, von denen einige nicht einmal zu ihren Glaubensgenossen gehörten, die es aber für die Zeugen gerne taten. Einer der Zeugen, Bruder X, schien die Verantwortung zu haben. Er organisierte ihre Tätigkeit, schien die richtigen Personen, die gebraucht werden konnten, zu kennen und besuchte regelmäßig die Baracken.

Viele Gefangene wußten von ihren geheimen Zusammenkünften, aber niemand verriet sie. Wir ordneten unsere Betten (Schlafpritschen) so an, daß die ihrigen in die Ecken zu stehen kamen, die von der Tür am weitesten entfernt waren — wo man sie also nicht sehen konnte. Sie waren dafür dankbar und zeigten es uns auf mancherlei Weise.

Einmal im Jahr mußten sich alle Lagerinsassen zu einer besonderen Besichtigung auf dem Fabrikgelände versammeln. Die Zeugen benutzten diese Gelegenheit, um eine eigene Versammlung abzuhalten, wobei sie den Ort, an dem sie sich trafen, mit Birkenzweigen schmückten. Dort hatten sie auch einen offenen Tank, den sie blitzblank gescheuert hatten. Obwohl ich es selbst nicht gesehen habe, bin ich doch sicher, daß sie eine Taufe durchführten. Und das alles, ohne daß die Lagerleitung etwas davon erfuhr!

An demselben Abend hatten die zwei jüngsten Zeugen in unseren Baracken, sie waren 17 und 19 Jahre alt, viele Besucher. Wiederholt tauchten fremde Gesichter auf, man schüttelte sich die Hand, klopfte sich auf die Schulter und wechselte leise einige Worte. Ohne Zweifel waren die Betreffenden neu getauft worden und wurden nun beglückwünscht. Beide strahlten derart vor Freude, daß andere verwundert fragten: ‚Gedenkt Ihr zu heiraten, weil Ihr so glücklich seid?‘

Die Zeugen waren stets zu jedem guten Werk bereit, aber man konnte sie nicht dazu bewegen, etwas Schlechtes zu tun. Obwohl wir es sehr schwer hatten, konnten sie in ihrer festen Überzeugung und in ihrem Vertrauen nicht erschüttert werden. Wir beneideten sie; wir konnten dies einfach nicht verstehen. Doch diese Zeugen Jehovas bei uns zu haben, allein schon ihre Gegenwart und der Gedanke, daß es immer noch Menschen von echtem Schrot und Korn gibt, war für uns alle ein wirklicher Trost.“

Es scheint paradox zu sein, daß — während sich die Zeugen Jehovas außerhalb Rußlands fragten, ob in jenem Land das Zeugnis wohl auch gegeben werde — ein nach Rußland Deportierter die Zeugen eine Tätigkeit entfalten sah, die ihn auf den Gedanken brachte, sie seien nur in Rußland zu finden! Tatsächlich, wenn Christen auch gebunden sein mögen, so kann doch das Wort Gottes, Jehovas, nicht gebunden werden!

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