Was Statistiken nicht sagen
Über die Genauigkeit religiöser Statistiken führt man in den Vereinigten Staaten jedes Jahr hitzige Diskussionen. Die katholische Wochenschrift des Landes [USA], Our Sunday Visitor, vom 11. April 1954, bedauerte, daß zur Zeit der Volkszählung im Jahre 1950 der Leiter des amerikanischen Wirtschaftsministeriums die Anordnung des Präsidenten umstieß, der willens war, den Wünschen der religiösen Gruppen zu entsprechen und auf dem Fragebogen der Volkszählung eine Spalte über die religiöse Zugehörigkeit aufzuführen. Was jedoch diese Statistik nicht gezeigt haben würde, wäre die Qualität der Kirchenmitglieder gewesen.
Ein Beispiel: Die katholische Zeitschrift America vom 30. Juli 1955 berichtete über zwei Studenten eines katholischen Seminars, die unter den Katholiken in Washington, D. C., eine Umfrage veranstalteten. Der Artikel war überschrieben „Licht- und Schattenseiten der kirchlichen Volkszählung“. Sie interviewten einen Mann in den mittleren Jahren, der sie in die Wohnung einzutreten gebeten hatte. Nachdem sie sich vergewissert hatten, daß er in einer katholischen Kirche getauft, gefirmt und verheiratet worden war, fragten sie ihn:
„‚Besuchen Sie die Messe regelmäßig?‘ ‚Nein.‘ ‚Wie lange ist es her, seitdem Sie das letzte Mal die Messe besuchten?‘ Eine Pause — der Mann zögerte und sagte dann: ‚Oh, etwa 25 Jahre.‘ ‚Liegt ein besonderer Grund vor, warum Sie die Sakramente nicht empfangen?‘ ‚Nein, kein besonderer‘, erwiderte der Mann … ‚Wie wäre es, wenn Sie wieder zur Messe kämen?‘ ‚Schauen Sie, ich will ehrlich sein, ich möchte lieber nicht.‘ ‚Nun, würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ein Priester der Gemeinde zu Ihnen käme? Das würde doch bestimmt nichts schaden.‘ ‚Nein, senden Sie ihn lieber nicht‘, wandte der Mann ein, ‚ich lasse ihn nicht herein.‘“ Gemäß der Statistik ist dieser Mann katholisch, denn nach dem kanonischen Recht bleiben alle getauften Katholiken solange katholisch, als sie nicht durch die entsprechende kirchliche Autorität exkommuniziert werden. In der Tat, Statistiken sagen nicht alles!