Wer leitet wen?
Der britische Erzbischof von York hielt kürzlich im englischen Oberhaus eine Rede, in der er den Entschluß Großbritanniens, die Wasserstoffbombe herzustellen, unterstützte. Verschiedene schockierte Kirchgänger schrieben daraufhin an den Guardian Weekly, Manchester. In einem der an den Verlag gerichteten Briefe, der in der Ausgabe vom 24. März 1955 veröffentlicht wurde, heißt es: „Sehr geehrter Herr, die Rede des Erzbischofs von York im Oberhaus, in der er die Herstellung der Wasserstoffbombe rechtfertigt, war eine ziemlich starke Äußerung, die überzeugender war als alles andere, was über dieses Thema von seiten anderer Politiker gesagt wurde. In einem Satz jedoch untergrub er seine Stellung als christlicher Führer und sein Recht, als solcher zu sprechen. Im Grunde genommen gab er zu, daß die wahre christliche Einstellung eher Unrecht erleidet, als es einem anderen zuzufügen. Das ist ein Argument, das jeder Christ auf sich anwenden müßte. Erstaunlicherweise aber sonderte er sich von dieser Haltung ab, weil sie nicht ‚die erwogene Überzeugung der großen Mehrheit‘ darstelle. Das bedeutet, daß der nahezu höchste Kirchenmann im Lande nicht die volle christliche Einstellung hat, bis er die Zustimmung der ungebildeten und meist heidnischen Massen erhält.“