„Ein hervorragender Christ von seltener Art“?
Dr. W. R. Matthews, der gegenwärtige Doyen der St.-Pauls-Kathedrale in London, nannte in seinen Worten über das Hinscheiden seines Vorgängers Sir W. R. Inge, des „düsteren Doyens“, diesen einen „hervorragenden Christen von seltener Art. Er gab manchen Leuten Anstoß, doch brachte er sie zum Nachdenken.“
Zu den Erklärungen, wodurch Inge recht vielen Leuten zum Anstoß wurde, gehörte auch jene, daß er weder an den Himmel noch an die Hölle noch an die Sozialisten Englands glaubte. Natürlich kann jemand, der Christ zu sein behauptet, sein Vertrauen weder auf die Sozialisten Englands setzen noch auf die Liberalen oder die Tories, sondern muß an das Reich Christi glauben. Und (sofern wir Inge die Wohltat des Zweifels gewähren wollen) wenn er sagte, er glaube nicht an die Hölle, mag er gemeint haben, er glaube nicht an eine Feuerhölle. Wie aber kann jemand, der sich vor den Menschen der Welt als christlicher Geistlicher ausgibt, erklären, daß er nicht an den Himmel glaube? Für Christus Jesus war der Himmel etwas sehr Wirkliches. Er sagte, er sei vom Himmel herabgekommen und kehre in den Himmel zurück, ferner, sein Vater wohne im Himmel; sein Königreich sei vom Himmel; der Lohn für seine Fußstapfen-Nachfolger sei im Himmel aufbewahrt, und sie sollten sich Schätze im Himmel aufhäufen.
Was will Dr. Matthews sagen, wenn er erklärt, Dr. Inge habe die Leute zum Nachdenken gebracht? Veranlaßte er sie zu der Frage, ob es wirklich einen Gott gebe, ob die Bibel das Papier wert sei, auf das sie geschrieben wurde? Seine Bemerkungen waren bestimmt nicht derart, daß sie zur rechten Art des Nachdenkens über Gott und die Bibel ermutigen. Kann ein solcher zu Recht als „ein hervorragender Christ von seltener Art“ bezeichnet werden? Offensichtlich ist etwas grundverkehrt an der Auffassung Dr. Matthews’ über das, was einen Christen ausmacht. Wenn führende Geistliche sich zu einer Philosophie wie zu der eines Inge bekennen, ist es dann verwunderlich, daß es so große religiöse Unwissenheit, Gleichgültigkeit und Heuchelei in der Welt gibt, daß so viele Menschen ‚das Vergnügen mehr lieben als Gott und eine Form der Gottergebenheit haben, doch hinsichtlich deren Kraft sich als falsch erweisen‘? — 2. Tim. 3:4, 5, NW.