Fragen von Lesern
● In Matthäus 9:14-17 wurde Jesus gefragt, warum seine Jünger nicht fasteten wie jene der Pharisäer und Johannes des Täufers, und nach einer Erklärung kam er auf den Punkt zu sprechen, dass ein neuer Lappen nicht auf ein altes Kleid genäht und neuer Wein nicht in einen alten Weinschlauch getan werde. Dies scheint mit dem Gespräch in keiner Beziehung zu stehen. Warum brachte er dies bei diesem Anlass vor? — B. Z., Washington.
Christus Jesus schwenkt hier vom Gesprächsgegenstand nicht plötzlich ab, wie dies auf den ersten Blick der Fall zu sein scheinen mag. Der entsprechende Bericht in Lukas 5:33-38 (NW) zeigt, dass es zu dem Zweck geschah, den strittigen Punkt hervorzuheben: „Sie sprachen zu ihm: ‚Die Jünger des Johannes fasten häufig und bringen Flehen dar und ebenso die der Pharisäer, die deinigen aber essen und trinken.‘ Jesus sagte zu ihnen: ‚Ihr könnt doch nicht die Freunde des Bräutigams fasten machen, während der Bräutigam bei ihnen ist, oder? Doch werden Tage kommen, wann der Bräutigam in der Tat von ihnen weggenommen sein wird; dann werden sie fasten, in jenen Tagen.‘ Ferner fuhr er fort, in einem Bild zu ihnen zu sprechen: ‚Niemand schneidet ein Stück von einem neuen Oberkleid ab und näht es auf ein altes Oberkleid; doch wenn jemand es tut, dann reisst auch das neue Stück ab, und das Stück vom neuen Kleid passt nicht zum alten. Überdies tut niemand neuen Wein in alte Weinschläuche; doch wenn jemand es tut, so wird der neue Wein die Weinschläuche zerreissen, und er wird verschüttet werden, und die Weinschläuche werden verdorben sein. Sondern neuen Wein muss man in neue Weinschläuche tun.‘“
Jesus wies hier durch dieses Bild darauf hin, dass er ein ganz neues System der Dinge einführte und dass dieses neue System der Dinge nicht an die Gruppe geknüpft war, die Johannes dem Täufer oder der Gruppe folgte, welche Anhänger der Pharisäer waren. Die Jünger Jesu brauchten nicht mit diesen oder andern religiösen Gruppen verbunden zu sein, noch sich an solche Gruppen zu hängen oder ihren Bräuchen des Fastens zu folgen noch irgendeiner andern religiösen Zeremonie, die diese Gruppen gepflegt haben mögen. Jesus kam nicht, um alte, abgenutzte Systeme der Anbetung, die zur Verabschiedung reif waren, zu flicken und weiter aufrechtzuerhalten. Er errichtete etwas ganz Neues, und irgendwelche Personen, die das Leben wünschten und immer noch in den alten Systemen steckten, mussten zu dem neuen kommen und durften nicht versuchen, das neue lediglich als einen Flicken zu gebrauchen, um ihre versagenden Religionssysteme, die zum Wegtun reif waren, zu flicken. Folglich sollte die neue christliche Organisation, die Jesus bildete, nicht wie ein neues Stück auf einem alten Kleid oder wie neuer Wein in einem alten Weinschlauch sein. Es sollte nicht mit früheren religiösen Gruppen verknüpft noch an sie gebunden noch von ihnen verschlungen werden. Diese alten Systeme konnten das neue System der Dinge nicht fassen, sie waren unzulänglich für dieses neue System, konnten nicht zusammen mit dem neuen System bestehen, sondern wurden durch dieses neue System zu Ende gebracht. Selbst das Gesetz Moses sollte als erfüllt und abgetan an den Marterpfahl genagelt werden.
Folglich passten sich die Nachfolger Christi nicht den Bräuchen des Fastens an, während Christus da war. Jesus sagte, dass sie fasten werden, wenn der Bräutigam hinweggenommen sei. Indes wollte er damit nicht sagen, dass sie dies tun müssten; gemäss den Tatsachen aber taten sie es wirklich. Nach seinem Tode am Marterpfahl trauerten seine Jünger und waren sehr bestürzt, weil sie erwartet hatten, dass er sein Königreich um jene Zeit auf Erden aufrichten werde, und als er zu Tode gebracht war, verstanden sie nicht, warum dies hatte geschehen können, und wegen dieses Mangels an Verständnis verfielen sie auf ihre alten Wege des Fastens und Trauerns. Doch nach Pfingsten und nach der Ausgiessung des heiligen Geistes und ihrer Erleuchtung über die Dinge, erholten sie sich von diesem vorübergehenden Rückfall in ein Fasten, wie es die älteren religiösen Gruppen zu beobachten pflegten.
Aus all diesem ersehen wir, dass Jesus ein treffendes Bild benutzte, um den Zuhörern den Punkt der Diskussion einzuschärfen. Gleichwie ein neues Oberkleid nicht zerschnitten und zum Flicken hoffnungslos alter Kleider gebraucht wurde, sondern ganz und vollständig neu bleiben sollte; gleichwie neuer Wein nicht in ausgetrocknete alte Weinschläuche gegossen werden sollte, die ihre Elastizität verloren hatten und bersten würden, sondern seinen eigenen neuen Weinschlauch haben sollte, ebenso sollte die neue christliche Organisation ein ganz neues System der Dinge sein, für immer getrennt von den alten Religionssystemen, die entweder versagt oder die Periode ihrer Nützlichkeit überschritten hatten.