Fragen von Lesern
● In verschiedenen Fällen werden in den Griechischen Schriften Menschen als „gut“ bezeichnet. Als aber ein Jüngling Jesus mit „gut“ anredete, wurde ihm dies verwiesen, und es wurde ihm gesagt, niemand sei gut ausser Gott. Warum? — T. C., Pennsylvanien.
Jesus sagte, dass Jehova ‚seine Sonne aufgehen lasse über Böse und Gute‘. Von Barnabas lautet der Bericht: „Er war ein guter Mann“. Junge christliche Frauen wurden angewiesen, „gütig“ oder „gut“ zu sein. Hausknechte wurden geheissen, ihren Gebietern unterwürfig zu sein, „nicht nur den guten und vernünftigen, sondern auch denen, welchen zu gefallen es schwer halte“. (Matth. 5:45; Apg. 11:24; Titus 2:5; 1. Pet. 2:18, NW) In bezug auf weitere Fälle siehe Matthäus 12:35; 20:15, NW; 22:10; 25:21, 23; Luk 6:45; 19:17; 23:50. In allen diesen Fällen ist das Wort „gut“ eine Übersetzung des einen griechischen Originalwortes agathós. Dasselbe griechische Wort wird gebraucht, wo der Bericht von dem reichen jungen Obersten spricht, der Jesus die Frage stellte: „Guter Lehrer, was muss ich tun, um ewiges Leben zu ererben?“ Jesus erwiderte ihm: „Warum heissest du mich gut? Niemand ist gut als nur Einer, Gott.“ — Mark. 10:17, 18; Luk. 18:18, 19, NW.
Wenn nun unvollkommene Menschen als „gut“ bezeichnet werden können, so könnte bestimmt Jesus noch eher so genannt werden. Auch hatte er nichts einzuwenden gegen den Ausdruck „Lehrer“; er anerkannte diese Bezeichnung. (Joh. 13:13, NW) Warum antwortete er also dem Jüngling auf diese Weise? Es scheint, dass die Rabbis des Judentums sich diesen Titel gefallen liessen, und dies dürfte erklären, warum Jesus ihn zurückwies. Als jener Oberste ihn so anredete, war es, als ob er ihn mit den Rabbis in die gleiche Klasse eingereiht hätte. Jesus wollte aber keine rabbinischen Titel, und durch diesen Verweis zeigte er, wie unrichtig der Gebrauch solcher Titel ist. (Hiob 32:21, 22; Matth. 23:7-10, NW) Christus erhob keine Einwände, dass man ihn richtigerweise Lehrer, Meister oder Führer nannte, denn wie er sagte, war es recht, dass sie ihn so nannten; doch wenn die Bezeichnungen an einen Titel erinnerten, der allgemein dazu gebraucht wurde, die Rabbis auf schmeichelhafte Weise anzureden, so protestierte er. Er brachte ihnen dies auf kraftvolle Weise bei, indem er den äussersten, höchsten Standpunkt in der Sache einnahm und Jehova Gott als denjenigen ins Scheinwerferlicht stellte, der diesen Titel verdient. Beiläufig bemerkt, zeigt dies nicht, dass Jehova ein Teil der Dreieinigkeit wäre, zusammen mit zwei andern, ihm gleichen, und die Versuche von Dreieinigkeitsverfechtern, diesem entgegenzutreten, indem sie auf den Wortlaut des Matthäus über dieses Zusammentreffen hinweisen, merzen die beiden Berichte von Markus und Lukas nicht aus. — Matth. 19:16, 17, NW.
Dass der reiche Oberste den Ausdruck „guter Lehrer“ eher als einen formellen Titel gebrauchte, statt dadurch seine ehrliche Überzeugung über Jesus auszudrücken, geht aus seiner Verwerfung des Rates Jesu hervor. Offenbar betrachtete er Jesus in Wirklichkeit nicht als einen so guten Lehrer, denn er ging hinweg, ohne dem Rat Christi zu folgen. Er verdiente einen Verweis.
● Wie sollte sich der Christ verhalten hinsichtlich der Arbeit in Fabriken, die der Verteidigung dienen, des Amtierens als Geschworener, des Verkaufs von Weihnachtskarten oder -Bäumen usw.? — Zusammengesetzte Frage, gestützt auf viele Anfragen.
Die Watch Tower Society ist zum Zwecke organisiert, die gute Botschaft vom Königreich allen Nationen auf der ganzen bewohnten Erde als ein Zeugnis zu predigen, und sie ermuntert und hilft allen, einen Anteil an diesem Werke zu haben, indem sie bereitwillig über das wirksamste Vorgehen Rat erteilt. Was andere Formen der Tätigkeit oder Arbeit betrifft, hat die Gesellschaft keine besondere Empfehlung zu machen. Regeln auszuarbeiten für all die möglichen Situationen hinsichtlich weltlicher Arbeit würde uns zur Aufstellung umfangreicher talmudähnlicher Vorschriften führen, indem wir suchen würden, all die feinen Unterschiede festzulegen hinsichtlich der Frage, wann gegen eine gewisse Arbeit Einwendungen erhoben werden sollten und wann nicht. Der Herr hat diese Verantwortung nicht der Gesellschaft übertragen; jeder einzelne trägt selbst die Verantwortung, in seinem Fall zu entscheiden. Um das in Frage kommende Problem zu veranschaulichen, betrachtet einmal das Verkaufen von Weihnachtskarten oder -Bäumen. Wenn dies verkehrt ist, was ist dann von dem Metzger zu sagen, der für das Weihnachtsessen einen Truthahn verkauft, oder vom Verkaufsfräulein, das einen Sweater verkauft, der als Weihnachtsgeschenk gebraucht werden soll? Wo muss die Linie gezogen werden? Oder wann wird die Arbeit Verteidigungsarbeit? Man braucht nicht am laufenden Band einer Tankfabrik zu arbeiten, um Dinge herzustellen, die im Kriege gebraucht werden. Was die Aufgabe eines Geschworenen betrifft — wärest du annehmbar für diesen Dienst, sagen wir in einem Scheidungsfall, wo einer Person die Ehescheidung aus anderen Gründen als Ehebruch gewährt werden mag? Dein christliches Gewissen mag dich hiervon ausschalten, so dass du für die eine oder beide Seiten des Falls unannehmbar wärest.
Das Schweigen, das die Gesellschaft in solchen Dingen beobachtet, sollte weder als Zustimmung noch als Verurteilung betrachtet werden, die wir nicht offen zum Ausdruck zu bringen wünschten. Es bedeutet, dass wir es als die Verantwortung des einzelnen betrachten, seine Wahl zu treffen und nicht als die unsrige. Der Betreffende muss in seinem Gewissen ruhig sein in bezug auf seine Handlungsweise, nicht wir in der unsrigen. Er kennt alle Umstände, nicht wir. Jehovas Zeugen haben ihre Bibeln gelesen und die Wachtturm-Schriften studiert, welche sich bemüht haben, Jehovas gerechte Grundsätze und Erfordernisse zur Leitung der Christen klar zu machen. Jeder sollte nun fähig sein, für sich zu entscheiden, was er hinsichtlich weltlicher Arbeit gemäss seinem Gewissen tun kann. Wir müssen uns daran erinnern, dass, wenn wir auch nicht ein Teil von der Welt oder ihren Projekten und Hoffnungen auf Weiterbestand sind, wir doch in ihr sind und uns von ihrer Tätigkeit nicht vollständig trennen können. So möge denn jeder seine eigene Verantwortung auf sich nehmen und sich vor dem eigenen Gewissen verantworten, indem er weder andere kritisiere noch von ihnen kritisiert werde, wenn das Gewissen der einzelnen verschiedene Entscheidungen in derselben Sache zulässt. Wir sollten nicht ‚durch das Gewissen eines andern gerichtet werden‘. „Wer bist du, dass du den Hausknecht eines andern richtest? Er steht oder fällt seinem eigenen Meister.“ — Röm. 14:4; 1. Kor. 10:29, NW.
● Was meinte der Apostel Paulus, als er von Christus sagte: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“? — J. D., Kanada.
Die Neue-Welt-Übersetzung von Kolosser 2:8, 9 wirft Licht auf diesen Text: „Sehet euch vor, vielleicht mag jemand da sein, der euch als seine Beute wegführe durch die Philosophie und leere Täuschung gemäss der Überlieferung der Menschen, gemäss den elementaren Dingen der Welt und nicht gemäss Christi; denn in ihm wohnt die ganze Fülle göttlicher Art für den Leib.“ Folglich müssen die, welche zum „Leibe Christi“ gehören, in bezug auf all ihre Segnungen, ihre Leitung und ihre Unterweisung von Gott auf Jesus, das Haupt, blicken und nicht auf menschliche Philosophen und Traditionalisten. Jesus hat die Fülle alles dessen, was wir brauchen, da er als Geistsohn Gottes, unsterblich, göttlich, auferweckt worden ist.
● Haben nicht Wachtturm-Veröffentlichungen irrtümlich gesagt, Johannes der Täufer habe sich mit Insekten-Heuschrecken genährt? Bezieht sich nicht seine Heuschreckenkost auf die Hülsenfrüchte oder Samenschoten, die der Zucker-Heuschreckenbaum trägt? — W. B., Kanada.
Die Heuschrecken, die Johannes der Täufer in der Wüste ass, waren nicht die Schotenfrüchte oder Karoben, die am Zucker-Heuschrecken- oder am sogenannten Johannisbaum wachsen, sondern waren die richtigen Insekten-Heuschrecken. Im griechischen Originaltext von Matthäus 3:4 ist das Wort für Heuschrecke akrís. Dieses Wort bezeichnet niemals die Frucht des Heuschrecken- oder Johannisbrotbaumes, sondern ausschliesslich das Insekt. Deshalb gibt die Neue-Welt-Übersetzung Matthäus 3:4 wie folgt wieder: „Eben dieser Johannes hatte ein Gewand von Kamelhaaren und einen Ledergürtel um seine Hüften; auch bestand seine Nahrung aus Insekten-Heuschrecken und wildem Honig.“ In der griechischen Septuaginta-Übersetzung der Hebräischen Schriften wird dasselbe Wort akrís für die Heuschrecken in Verbindung mit der Plage über Ägypten in 2. Mose 10:4, 12-14, 19 gebraucht. Auch hinsichtlich der Heuschreckenplage in Offenbarung 9:3, 7 wird akrís gebraucht. Und das Wort akrís erscheint zudem in 3. Mose 11:22, wo den Israeliten gesagt wird, sie dürften die Insekten-Heuschrecken als reine Nahrung genissen. Das Wort für die Karoben oder Heuschreckenbaumfrüchte [das sog. Johannisbrot] war ein anderes griechisches Wort, nämlich kerátion, und dieses ist das, was der verlorene Sohn gemäss Lukas 15:16, NW, ass.