Die Unabhängigkeit der Transkei
IN DER zweiten Hälfte des Monats Oktober vergangenen Jahres versammelten sich in Umtata, der Hauptstadt der Transkei, große Menschenmengen zur Unabhängigkeitsfeier. Um Mitternacht des 25. Oktober holte man, während ein Salut von 101 Schüssen abgegeben wurde, die südafrikanische Fahne zum letzten Mal ein und entfaltete die Fahne Transkeis. Die Transkei wurde damit offiziell der fünfzigste unabhängige Staat Afrikas. Von allen südafrikanischen „Heimatländern“ (große Gebiete, die für die Stammesgruppen der Bantubevölkerung reserviert sind) hat sie als erste die Unabhängigkeit erlangt.
Transkei liegt im Südosten Südafrikas und ist ungefähr so groß wie Dänemark (44 000 Quadratkilometer). Die Bevölkerung zählt etwa 1 3⁄4 Millionen, darunter 10 000 Weiße. Der größte Teil der schwarzen Bevölkerung spricht Xosa (verwandt mit Zulu), gehört indessen verschiedenen Stammesgruppen an, zum Beispiel den Mpondo, Tembu, Bomvana und Fingo. Das Land ist ziemlich fruchtbar und gut bewässert. Die südliche Grenze bildet der Große Kei-Fluß, daher der Name „Transkei“.
Schon um das 15. Jahrhundert siedelten sich in diesem Gebiet xosasprachige schwarze Viehhalter an. Im 18. Jahrhundert kam es zwischen diesen Schwarzen und den weißen Farmern zu Schwierigkeiten, die lange, blutige Kämpfe zur Folge hatten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siegten schließlich die Weißen, und die britische Regierung gliederte dieses Gebiet der Kapkolonie an. Vom Jahre 1910 an gehörte die Transkei zur Südafrikanischen Union, später Republik Südafrika genannt.
Als Folge der Apartheidpolitik Südafrikas wurde dann 1963 eine gewisse Autonomie gewährt. Das Parlament besteht aus 150 Abgeordneten, 75 traditionellen Stammeshäuptlingen und 75 gewählten Mitgliedern. Bei den Wahlen des vergangenen Jahres gewann die Partei des Oberhäuptlings Kaizer Matanzima mit einer überwältigenden Mehrheit. Er fungiert jetzt als Staatsoberhaupt bzw. Ministerpräsident von Transkei. In dem neuen Staat soll es keine Rassentrennung geben. Wirtschaftlich wird er jedoch stark von Südafrika abhängig sein. Die Generalversammlung der UN stimmte gegen die Anerkennung der Transkei, und bis zur Abfassung dieses Artikels hat noch kein Land, außer Südafrika, den neuen Staat anerkannt.